Antionio Citterio – Design und Freundschaft
Wenn ein Rolf Fehlbaum über Antonio Citterio spricht, dann fallen Worte, wie „Angemessenheit, Loyalität und Integrität“. Citterio wiederum umschreibt die Entwicklung eines Produktes mit Vitra als eine „Vater-Mutter-Kind“- Beziehung. Dieses innige geschäftliche und durchaus freundschaftliche Verhältnis zwischen Designer und Hersteller wird mir beim Lesen des Geburtstagsbriefes des Vitra-Gründers an seinen Designer erneut bewusst. In diesem bedankt sich Fehlbaum bei Antonio Citterio für 25 Jahre intensive und fruchtbare Zusammenarbeit mit Vitra und gratuliert dem mittlerweile 60-jährigen Architekten zum runden Jubiläum.
Neugierig auf diesen eindrucksvollen Italiener finde ich heraus, dass Citterio 1950 in Meda geboren wurde, Architektur studierte und 1972 mit Paolo Nava ein gemeinsames Studio für Industrial Design gründete. Aus dieser Zeit sind der 1982 entworfene Showroom oder die Esprit-Filialen entstanden. Ausgezeichnet wurde Antonio Citterio erstmals in 1987 mit dem Goldenen Zirkel. 1995 folgte der zweite. Mit seinem Büro „Antonio Citterio and Partners“, welches er seit 1999 in Mailand führt, konzentriert er sich heute ganz auf die multidisziplinäre Arbeit in den Bereichen Architektur-, Industrie- und Grafikdesign.
Die Zusammenarbeit mit Vitra fand ihren Anfang in den 90er Jahren, in denen sich Citterio hauptsächlich der Entwicklung von Büromöbeln und Einrichtungsunternehmen für Unternehmen widmete. Parallel zu Vitra entwarf er auch für Olivetti, Kartell oder B&B.
Wurde sich im Bereich der Büroeinrichtung zunächst auf Stühle konzentriert, entwickelten Rolf Fehlbaum und Antonio Citterio sehr bald auch ganze Bürosysteme. 1994 führte Vitra das System „Ad Hoc“ ein, welches sich seit dem stetig weiterentwickelt hat und sich auf der Orgatec 2010 in Köln in seiner aktuellsten Version präsentieren wird. Laut Fehlbaum gehört dieses Bürosystem „zu den einflussreichsten der letzten zwanzig Jahre“. Diese Aussage werde ich im Oktober diesen Jahres höchstpersönlich überprüfen und selbstverständlich mein Resümee hier zu „Blogge tragen“.
Antonios wohl bekannteste Projekte mit Vitra sind u.a. die bekannten Bürostühle Oson, Axess, Axess Plus, AC 4 sowie der Visalounge, die Arbeitsplatz-Systeme Ad Hoc und Ad One, der Chefsessel Skape und der ACX Etendable Dining Table.
Mit 60 Jahren ist noch lang noch nicht Schluss und sowohl Fehlbaum als auch Citterio selbst kündigen eine umfangreiche Familie an neuen Stuhlentwicklungen an, die (so Fehlbaum in seinem Dankesbrief an Citterio) „alles verkörpert, was wir über das Sitzen gelernt haben“. Ich bin gespannt, denn in der letzten Vitra-Lektion über das Sitzen lernte ich: „Wirf alle Ergonomie über Bord und schnall dir einen Nylongurt um!“ Freilich finde auch ich die „Less-than-more“-Lösung äußerst witzig und im Falle eines Highfield-Festivals, einer Fußball-WM oder bei chronischem Sitzplatzmangel ist „Chairless“ sicher eine nützliche Alternative.
Aber umso mehr interessieren mich die neuen Entwicklungen des Mutter-Vater-Kind-Gespannes und bis es soweit ist, lümmel ich mich auf dem schicken und furchtbar variantenreichen Suita-Sofa, welches erst kürzlich der designliebenden Öffentlichkeit in Mailand und Weil am Rhein vorgestellt wurde und demnächst auch im Handel erhältlich ist.







